Autor: Markus Jäger

Ich bin eine Mathe-Schularbeit oder: die Schönheit meines Kopfes

Zu allen Zeiten und überall auf der Welt hat sich ein Teil der Männer und Frauen nach einer intimen Beziehung zu Menschen des eigenen Geschlechts gesehnt. (Robert Aldrich)   Wenn das Gute den Preis des Schlechten kostet – ist es dann noch gut? Ist das Streben nach Glück wirklich so vermessen? Staat und Kirche haben noch nie eine harmonische Ehe geführt und sind seit langem geschieden – warum streiten sie sich noch immer über das Sorgerecht, obgleich die Kinder schon erwachsen sind? Ich kann es nicht verhehlen: das Pathos solcher Fragen gefällt mir. Und zwar so gut, dass mich derartige …

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Unvergängliches im Angesicht der Vergänglichkeit

Die Liebesgeschichte zwischen Karsten und Roman ist eine, die sich gefügt hat. Die einfach so passiert ist. Die Harmonie hat sich mit großer Glaubwürdigkeit ihrer Leben angenommen und Schritt für Schritt eine gemeinsame Lebensgeschichte geschaffen. Das kleine Glück, das mit spürbarer Größe erzählt wird. Die Kleinigkeiten, die den Alltag auch der glücklichsten Paare immer wieder mal ergreifen, schleichen sich zunächst unscheinbar, aber mit immer bedrohlicheren Gesten in ihr Glück. Karsten verlegt seine Schlüssel, vergisst einen Termin und ringt immer öfter um Worte. Die Diagnose Alzheimer wirft das Paar ruckartig aus ihrer so umsichtig gestalteten kleinen Welt. Umso inniger klammern sie …

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Heldenhaftes Österreich

Die Überzeugungskraft meiner beiden „Helden für immer“ verblüfft mich auch als Autor manchmal. Wenn etwa Leserinnen und Leser sich mitten in der Nacht die Mühe machen, meinen Namen auf Social-Media-Kanälen zu suchen und mir zu schreiben, dass sie gerade bei der Lektüre meines Buches sind und nicht aufhören können zu lesen. Wenn ich Privatnachrichten Fremder erhalte: „Gerade mit dem Lesen fertig geworden. Tränen in den Augen.“ Wenn mir Besucherinnen und Besucher meiner Lesungen erzählen: „Am Ende wollte ich gar nicht wahrhaben, dass die Geschichte jetzt aus ist.“ Oder aber auch, wenn Kolleginnen plötzlich aufgeregt im Büro vor mir stehen und …

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Das Porträt einer Unbeugsamen als Geschichte einer grossen Möglichkeit

  Joan Baez und ihre Stimme gegen Gewalt   Über Joan Baez zu lesen führt nahezu immer zur Lektüre einer großen Hoffnung. Einer Hoffnung, die weder die Künstlerin und Aktivistin selbst noch ihr Publikum ganz aufgeben wollen. Auch wenn sie immer wieder in weite Ferne rückt. Die Hoffnung auf eine Welt, die den Wahnsinn vielleicht doch irgendwann zu überwinden vermag. Dann beginnen wir zu verstehen, was Baez meint, wenn sie von kleinen Siegen und großen Niederlagen spricht. Siege und Niederlagen, die ihr künstlerisches und politisch-aktives Leben zur Genüge kennt. Die 1941 geborene Sängerin war nämlich nie nur eine Stimme für …

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Markus Jäger mit Verleger Jim Baker auf der Frankfurter Buchmesse / Foto: Marc Lippuner, Querverlag

Felix und Kilian auf der Frankfurter Buchmesse

Ich erlebte meinen ersten Besuch der Frankfurter Buchmesse geprägt von einer seltsamen Erinnerung. Ich ließ mich von den Menschenmassen durch die Gänge tragen und versuchte auf diese Weise und Wellen so zu surfen, dass ich den Stand meines Verlages möglichst bald fand. Der Querverlag empfing mich mit der üblichen literarischen Begeisterung und Fröhlichkeit und ich ließ mir von ihren Eindrücken der letzten Tage berichten und mir erzählen, worin die Signifikanz dieses spektakulären Netzwerkens im Namen der Literatur liegt. Ich trug mein Buch und meine Unterlagen in der neuen Stofftasche unserer neuen Stadtbibliothek, die ich mehrmals ungläubig betrachtete. Es war und …

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Anfang und Ende

Anfang und Ende

Letztlich geht es immer um den Abschied. Abschied von einer Liebe, die keine war. Oder doch? Abschied von einem Menschen, der nicht mehr ist. Oder doch? Ich habe immer an die Liebe geglaubt und wollte allzu oft schon Menschen nicht gehen lassen. Ich tue das auch weiterhin. Und gedenke damit nicht aufzuhören. So wie ich noch immer Worte suche. Worte für die Liebe. Worte für die Menschen. Für alle Menschen. Zusammenleben als Solidarität der Buchstaben. Den Sinn ergeben wir nur gemeinsam. Mit dieser Motivation begann ich vor vielen Jahren mit dem Schreiben. Satz für Satz wühlte ich die Erde auf. …

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