Kategorie: #DasguteBuch

Das eigentliche Verbrechen oder: die Unglaubwürdigkeit der „guten alten Werten“

Michael Reh ist ein international renommierter Fotograf und vermag auch beim Schreiben den richtigen Fokus auf sein Motiv zu finden. In diesem Fall dürfte es damit zusammenhängen, dass er eine autobiografisch inspirierte Geschichte erzählt. Sie beginnt mit einem Verbrechen. Nikolas erschlägt seine alte Tante Magda und seinen Onkel Erich. Sein vor vielen Jahren von seiner Familie geflohener Zwillingsbruder Max, der ein exzessives Leben als erfolgreicher Fotograf in New York führt, wird informiert. Max reist zurück in seine alte Heimat in der deutschen Provinz, um herauszufinden, was zu diesem Doppelmord geführt hat. Im Zuge der Aufklärung wird deutlich, dass das eigentliche …

Weiter lesen ...

Der Wellenreiter oder: Sehnsucht macht weiter

Auch die Literatur findet immer öfter zur Erkenntnis, dass das ewigste aller Sujets genauso bunt sein darf wie das Leben selbst. Daniel Sebastian Lange ist ein Erzähler, der sein literarisches Alter Ego auf die Suche nach Liebe schickt und vor diesem Hintergrund entfaltet sich eine schwule Coming-of-Age Geschichte, die einen verblüffend universellen Tonfall findet. In dieser Geschichte können sich Männer und Frauen, egal welcher Orientierung, gleichermaßen wiederfinden. Daniel Sebastian erlebt den emotionalen und sexuellen Wellengang des Chaos, wie wir ihn letztlich alle gut kennen. Wer Liebe als Markt definiert, macht Liebe zu einem Wegwerfprodukt. Er reflektiert in einer Art Tagebuch …

Weiter lesen ...

Über die Homosexualität der Weltgeschichte

„Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen; beide werden mit dem Tod bestraft.“ (Levitikus 20, 13) Wichtigster Antrieb intellektueller Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit ist das Streben nach Wahrheit. Wissenschaftler, die sich nicht der Wahrheit verpflichtet fühlen, sind zumeist weltanschauliche Bauernfänger. Authentische Forschung sucht Wahrheit dort, wo das Leben zu finden ist und nicht dort, wo Ideologien wie schlecht gemischter Brotteig geknetet werden, der im Kellerdunst nicht enden wollender Tötungsfantasien vergammelt. Dem biblischen Befehl „Beide werden mit dem Tod bestraft!“ wurde von Seiten patriarchaler Religionen und ihrer politischen Geschwüre im Laufe …

Weiter lesen ...

Connie Palmen wird zu Ted Hughes oder: die Wahrheit der Liebe

Connie Palmen taucht in „Du sagst es“ einmal mehr in stürmischen Gewässern bis an den Grund der Liebe. Wobei es auch bei diesem Tauchgang nicht einfach nur um Romantik, Sex oder sonstige idealisierte und kommerzialisierte Vorstellungen des schönsten Literaturthemas geht. In ihrem bislang besten Buch nimmt die Autorin eine männliche Perspektive ein. Und wächst dabei literarisch so weit über sich hinaus, dass man tatsächlich glaubt, mit einem Mann zu sprechen. Die Bekenntnisse in diesem wunderbaren Roman kommen vom englischen Dichter Ted Hughes. Sylvia Plath (1932 bis 1963) und Ted Hughes (1930 bis 1998) gelten bis heute als tragischstes und innigstes …

Weiter lesen ...

Liebe beginnt mit Loyalität

Jugendliteratur ist tendenziell immer eine Literatur über die Suche nach Identität. Egal, wie viele Zauberlehrlinge und Drachenkämpferinnen sich Zauberstab-und-Schwertschwingend durch ihre Geschichten kämpfen. Egal, wie oft das Böse auf die allübliche Weise mit dem Guten ringt. Vor allem aber sollen coming-of-age-Geschichten Jugendlichen dabei helfen, ihren Platz im Leben zu finden. Wenn wir sie schon im realen Leben als Erwachsene systematisch dran zu hindern versuchen – können sie es zumindest in und mit Geschichten versuchen. Denn letztlich sind immer Erwachsene schuld daran, dass jungen Menschen auf ihrem Weg der Identitätsfindung Steine vor die Füße geworfen werden. Wenn man deshalb als Teenager …

Weiter lesen ...

„Helden für immer“ auf der Shortlist für den DELIA Literaturpreis!

Feedback zu meinem Herzensprojekt geht mir naturgemäß zu Herzen. Ob via E-Mail oder Social-Media Nachrichten, für die sich Menschen extra Zeit nehmen, um mir mitzuteilen, wie sehr ihnen meine Geschichte von Felix und Kilian gefallen hat. Ob auf riesigen LGBT-Online-Netzwerken oder auf Queer Literatur Blogs. Ob in renommierten Literaturhäusern oder beim Rennen um Literaturpreise. Felix und Kilian berühren die Menschen und um nichts anderes ging es mir beim Schreiben. Hier einige der Reaktionen: Auf der Shortlist für den DELIA-Literatpreis! Seit kurzem steht fest, dass mein Roman „Helden für immer“ mit im Rennen um die Auszeichnung „bester deutschsprachiger Liebesroman“ ist! Ich …

Weiter lesen ...

Erinnerung als Sand oder: der Boden unter den Füßen

Die IG Autorinnen und Autoren Tirol feierte kürzlich ihr 30jähriges Bestehen. Mit der Publikation einer Anthologie und einer Lesung. Unter dem Titel „Über die Jahre“ haben 47 Tiroler AutorInnen sich in Geschichten und Gedichten erinnert. An ganz besondere Wendepunkte, Ereignisse, Menschen, Erfahrungen. „Sie beobachten und reflektieren, sie vermengen Realität und Fiktion. Sie berichten und verdichten“ heißt es auf dem Buchrücken. Vom wunderen Sujet „Erinnerungen“ motiviert, durfte auch ich zwei Texte dazu beitragen. Meine beiden Gedichte „Zeit im Sand III“ und „Zeit im Sand V“ sind Auszüge eines kleinen lyrischen Zyklus, der den wichtigsten Wendepunkt in meinem Leben zum Thema hat. …

Weiter lesen ...

Die Liebe aus den Fugen oder: wer alles will, will nichts

Sven Hillenkamp ist Politologe, Soziologe und Historiker. Und er ist auf allen drei Ebenen auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: „Wie hält es die Gegenwart mit der Liebe?“ Die Antwort, die er in seinem viel diskutierten Buch „Das Ende der Liebe“ findet, klingt pessimistisch. Die Liebe hat ausgedient. Weil die Liebe nur noch zu dienen hat. Die globalisierte Gegenwart mit all ihren grenzenlosen Möglichkeiten führt sich dadurch selbst ad absurdum. Sie grenzt uns ein. Auf unsere grenzenlose Freiheit. Wir sind nur noch dabei, die Liebe zu versuchen und wissen beim Versuch, dass ein nächster Versuch noch besseres …

Weiter lesen ...

„Helden für immer“ und die Ehe für alle

Meine „Helden für immer“ lernen sich 1936 als junge Männer am Wiener Heldenplatz kennen und ich begleite sie in meinem Roman durch ihr ganzes gemeinsames Leben. Neben zahlreichen spannenden Wendepunkten in ihrer Geschichte vor dem Hintergrund der Veränderungen im 20. Jahrhundert stellt sich vor allem die Frage, ob sie noch zu ihren Lebenszeiten jene Freiheit erreichen werden, die wir heute unser Eigen nennen dürfen. Im Dezember 2017 verlautbarte der Österreichische Verfassungsgerichtshof, dass alle Paare – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – eine zivilrechtliche Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft eingehen können. Ein ganzes Jahr hat die aktuelle rechtskonservative Regierung zusammen mit …

Weiter lesen ...

Das Porträt einer Unbeugsamen als Geschichte einer grossen Möglichkeit

  Joan Baez und ihre Stimme gegen Gewalt   Über Joan Baez zu lesen führt nahezu immer zur Lektüre einer großen Hoffnung. Einer Hoffnung, die weder die Künstlerin und Aktivistin selbst noch ihr Publikum ganz aufgeben wollen. Auch wenn sie immer wieder in weite Ferne rückt. Die Hoffnung auf eine Welt, die den Wahnsinn vielleicht doch irgendwann zu überwinden vermag. Dann beginnen wir zu verstehen, was Baez meint, wenn sie von kleinen Siegen und großen Niederlagen spricht. Siege und Niederlagen, die ihr künstlerisches und politisch-aktives Leben zur Genüge kennt. Die 1941 geborene Sängerin war nämlich nie nur eine Stimme für …

Weiter lesen ...