Kategorie: #DasguteBuch

Connie Palmen wird zu Ted Hughes oder: die Wahrheit der Liebe

Connie Palmen taucht in „Du sagst es“ einmal mehr in stürmischen Gewässern bis an den Grund der Liebe. Wobei es auch bei diesem Tauchgang nicht einfach nur um Romantik, Sex oder sonstige idealisierte und kommerzialisierte Vorstellungen des schönsten Literaturthemas geht. In ihrem bislang besten Buch nimmt die Autorin eine männliche Perspektive ein. Und wächst dabei literarisch so weit über sich hinaus, dass man tatsächlich glaubt, mit einem Mann zu sprechen. Die Bekenntnisse in diesem wunderbaren Roman kommen vom englischen Dichter Ted Hughes. Sylvia Plath (1932 bis 1963) und Ted Hughes (1930 bis 1998) gelten bis heute als tragischstes und innigstes …

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Liebe beginnt mit Loyalität

Jugendliteratur ist tendenziell immer eine Literatur über die Suche nach Identität. Egal, wie viele Zauberlehrlinge und Drachenkämpferinnen sich Zauberstab-und-Schwertschwingend durch ihre Geschichten kämpfen. Egal, wie oft das Böse auf die allübliche Weise mit dem Guten ringt. Vor allem aber sollen coming-of-age-Geschichten Jugendlichen dabei helfen, ihren Platz im Leben zu finden. Wenn wir sie schon im realen Leben als Erwachsene systematisch dran zu hindern versuchen – können sie es zumindest in und mit Geschichten versuchen. Denn letztlich sind immer Erwachsene schuld daran, dass jungen Menschen auf ihrem Weg der Identitätsfindung Steine vor die Füße geworfen werden. Wenn man deshalb als Teenager …

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Der schöne Schein und das scheinbar Schöne

Die vielschichtige Beziehung zwischen Europa und Amerika artikuliert sich immer wieder auch in Biografien literarischer Grenzgängerinnen und Grenzgänger wie etwa Henry James oder Edith Wharton, F. Scott Fitzgerald oder Gertrude Stein. In diese Reihe renommierter Namen von weltliterarischem Rang aus dem 19. und 20. Jahrhundert darf sich Edmund White gelassen für den Wechsel vom 20. ins 21. Jahrhundert einreihen. Er gilt zurecht als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller und hat lange in Europa gelebt und gearbeitet. Unter anderem hat er sich einen Namen als Biograf europäischer Kulturgrößen wie Marcel Proust, Jean Genet oder Arthur Rimbaud gemacht. In „Die Gaben der …

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Der Funken Prinzessin, der in jedem Prinzen schlummert

Die Geschichte eines Prinzen, der lieber eine Prinzessin sein möchte, ist die Geschichte eines Außenseiters, der eigentlich kein Außenseiter ist. Sondern eine Prinzessin. In einer bezaubernden und kindgerecht präsentierten Selbstverständlichkeit schildert dieses Bilderbuch einen Kampf um Identität, der kein Kampf sein muss. Wir machen ihn zum Kampf. Das hat aber mit uns zu tun. Und nichts mit der Prinzessin. Die eigentlich ein Prinz ist. Der viel lieber eine Prinzessin sein will. Hannibal ist der Held und die Heldin dieser Geschichte gleichermaßen und führt mit einer ausnehmend fröhlichen Motivation Geschlechterklischees ad absurdum. Denn die Schubladen, in die wir uns gegenseitig stecken, …

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Erinnerung als Sand oder: der Boden unter den Füßen

Die IG Autorinnen und Autoren Tirol feierte kürzlich ihr 30jähriges Bestehen. Mit der Publikation einer Anthologie und einer Lesung. Unter dem Titel „Über die Jahre“ haben 47 Tiroler AutorInnen sich in Geschichten und Gedichten erinnert. An ganz besondere Wendepunkte, Ereignisse, Menschen, Erfahrungen. „Sie beobachten und reflektieren, sie vermengen Realität und Fiktion. Sie berichten und verdichten“ heißt es auf dem Buchrücken. Vom wunderen Sujet „Erinnerungen“ motiviert, durfte auch ich zwei Texte dazu beitragen. Meine beiden Gedichte „Zeit im Sand III“ und „Zeit im Sand V“ sind Auszüge eines kleinen lyrischen Zyklus, der den wichtigsten Wendepunkt in meinem Leben zum Thema hat. …

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Die Liebe aus den Fugen oder: wer alles will, will nichts

Sven Hillenkamp ist Politologe, Soziologe und Historiker. Und er ist auf allen drei Ebenen auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: „Wie hält es die Gegenwart mit der Liebe?“ Die Antwort, die er in seinem viel diskutierten Buch „Das Ende der Liebe“ findet, klingt pessimistisch. Die Liebe hat ausgedient. Weil die Liebe nur noch zu dienen hat. Die globalisierte Gegenwart mit all ihren grenzenlosen Möglichkeiten führt sich dadurch selbst ad absurdum. Sie grenzt uns ein. Auf unsere grenzenlose Freiheit. Wir sind nur noch dabei, die Liebe zu versuchen und wissen beim Versuch, dass ein nächster Versuch noch besseres …

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„Helden für immer“ und die Ehe für alle

Meine „Helden für immer“ lernen sich 1936 als junge Männer am Wiener Heldenplatz kennen und ich begleite sie in meinem Roman durch ihr ganzes gemeinsames Leben. Neben zahlreichen spannenden Wendepunkten in ihrer Geschichte vor dem Hintergrund der Veränderungen im 20. Jahrhundert stellt sich vor allem die Frage, ob sie noch zu ihren Lebenszeiten jene Freiheit erreichen werden, die wir heute unser Eigen nennen dürfen. Im Dezember 2017 verlautbarte der Österreichische Verfassungsgerichtshof, dass alle Paare – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – eine zivilrechtliche Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft eingehen können. Ein ganzes Jahr hat die aktuelle rechtskonservative Regierung zusammen mit …

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Die queere Macht der Solidarität

Nachdem sowohl in Deutschland Gleichstellung und somit auch rechtlicher Respekt erkämpft wurde als auch in Österreich die rechtskonservative Regierung in ihrem verzweifelten Versuch gescheitert ist, eine VGH Entscheidung zu unterminieren und nun auch Schwule und Lesben in der Alpenrepublik künftig eine zivilrechtliche Ehe eingehen dürfen, stellt sich einmal mehr die Frage, um welchen Kampf es sich handelt, wenn von Queer Wars die Rede ist. Angesichts der wenigen Jahrzehnte, in denen schwule, lesbische und transgender Menschen weltweit dazu in der Lage waren, um ihre Sozialisation und demgemäß um ihr Leben zu kämpfen, ist es bemerkenswert, mit welchen Erfolgen sich diese globale …

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Die Liebe eines Kindes und die Politik des Hasses

„Was ist das, eine Familie? Ein Mann, der seine Frau schlägt, der sein Kind quält? Nein, ehrlich, das soll ein bewundernswertes Modell sein?“   Die dreizehnjährige Gabrielle liebt ihre Eltern über alles. Diese sind seit fünfzehn Jahren miteinander verheiratet und haben Gabrielle adoptiert. Ihre Alltagsreflexionen erzählt Gabrielle in der Sprache eines freudestrahlenden Kindes, das in seiner Familie Geborgenheit erfahren darf. Durch ein neues Gesetz wird die glückliche Familie stigmatisiert, systematisch verfolgt und in ein Ghetto gezwungen. Gabrielles Eltern dürfen keinen Beruf mehr ausüben und das Ghetto nicht verlassen. Als sie ihrer geliebten Tochter ein Geburtstagsgeschenk machen wollen, riskieren die beiden …

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Unvergängliches im Angesicht der Vergänglichkeit

Die Liebesgeschichte zwischen Karsten und Roman ist eine, die sich gefügt hat. Die einfach so passiert ist. Die Harmonie hat sich mit großer Glaubwürdigkeit ihrer Leben angenommen und Schritt für Schritt eine gemeinsame Lebensgeschichte geschaffen. Das kleine Glück, das mit spürbarer Größe erzählt wird. Die Kleinigkeiten, die den Alltag auch der glücklichsten Paare immer wieder mal ergreifen, schleichen sich zunächst unscheinbar, aber mit immer bedrohlicheren Gesten in ihr Glück. Karsten verlegt seine Schlüssel, vergisst einen Termin und ringt immer öfter um Worte. Die Diagnose Alzheimer wirft das Paar ruckartig aus ihrer so umsichtig gestalteten kleinen Welt. Umso inniger klammern sie …

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