Kategorie: #DerguteGedanke

Die Poesie der Erinnerung oder: im Schneckenhaus der Kindheit

Die Poesie der Erinnerung findet ihren Rhythmus der Selbstüberzeugung oft in schlichten Reimen. So zumindest erging es mir beim Verfassen meiner „Schnecke aus Stein“. Diese Schnecke gab es wirklich. Sie war eine große Spielfigur in einem Garten im Innsbrucker Olympischen Dorf, wo die Kindergartenkinder Ende der 1970er ihre ersten Schritte in sozialer Kompetenz zu lernen versuchten. Auf dieser Schnecke durften wir herumklettern. Und wir konnten uns im Schneckenhaus verstecken. Eine der ersten Erinnerungen meines Lebens führt mich in eben dieses Schneckenhaus. Wobei ich mich nicht im Zuge eines klassischen Versteckspiels darin verkroch. Um zu sehen, ob mich jemand finden würde. …

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Lesen und Leben oder: Wir alle sind Helden

Noch bevor ich in die Schule kam, brachte ich mir selbst das Lesen bei, indem ich meiner älteren Schwester bei ihren Hausaufgaben über die Schulter sah. Seit damals hat das Lesen für mich eine synonyme Bedeutung wie leben. Lesend lernte ich das Leben zu erkennen, zu ergreifen und zu genießen. Mit dieser Lektion über das Lesen kam auch bald die Leidenschaft fürs Schreiben. Denn dadurch vermochte ich das Leben auch zu erzählen. Ich erinnere mich an das Verfassen einer Kurzgeschichte 1988, ich war gerade mal zwölf Jahre alt. Damals konnte ich es kaum glauben, dass mein Deutschlehrer in der Musikhauptschule …

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Wie die Sonne aussieht

(in Erinnerung an Matthew Shepard)   Das Makeup allzu menschlicher Selbstverleugnung wird oft dick aufgetragen. Denn als Clown lebt es sich leichter. Zumeist als trauriger Pierrot. Das eigene Gesicht darf niemand sehen. Also gilt es zu schauspielern. Das ganze Leben wird zur Show. Die Show muss weitergehen. Der Vorhang hebt sich. Wenn ich gut bin, bekomme ich Applaus. Und diese Vorstellung dauert an. Auf ewig? Ich bin auf einer Bühne und flüchte mich in eine Rolle, die ohne Fragen auskommt. Wie werden meine Eltern mit mir umgehen? Wenn all ihre Vorstellungen für mich nicht nur Vorstellungen, sondern vor allem IHRE …

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Der Frühling, die Angst, der Tod und das Leben

Nachdem meine Großmutter an Knochenkrebs und einer meiner Onkel an Knochenmarkkrebs starben, wirkt die Diagnose, dass die Knochen der eigenen Halswirbelsäule einen ungesunden Eigensinn an den Tag legen, schon mal mit einer ordentlichen Portion emotionaler Ambivalenz. Wenn ein rastloser Radiologe mit Schweißperlen auf der Stirn („Ich versteh das nicht! Ich versteh das nicht!“) dann „dringend“ dazu rät, „am besten sofort“ zum Hausarzt zurück zu marschieren und dieser nach einem Telefonat mit dem Radiologen nicht minder nervös mit der Spritze für die nächste Blutuntersuchung auf einen zuspringt, weiß man: hier könnte sich ein größeres Problem vor einem aufplustern. Wenn Erinnerungen an …

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Die Lust an der Apokalypse

Vor 80 Jahren hat meine Großmutter als junge Bäuerin beim Dorfbrunnen auf das wollüstige Sabbern ihrer Nachbarinnen „Hast du schon gehört? Der Führer kommt an die Front!“ lautstark protestierend geantwortet: „Wenn unsere Männer kämpfen, ist es um ihn auch nicht schade!“ Das war ihre Art des Widerstandes in einer Zeit der Angst. Sie wurde flugs denunziert und inhaftiert. Wäre sie nicht schwanger gewesen, wäre sie ins KZ gekommen. Ein Satz. Und ich hätte fast nicht existiert. In der Kubakrise vor über 50 Jahren stand die Welt nur wenige Augenblicke vor einem Atomkrieg. Die Generation meiner Eltern kann sich gut daran …

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„Helden für immer“ auf der Shortlist für den DELIA Literaturpreis!

Feedback zu meinem Herzensprojekt geht mir naturgemäß zu Herzen. Ob via E-Mail oder Social-Media Nachrichten, für die sich Menschen extra Zeit nehmen, um mir mitzuteilen, wie sehr ihnen meine Geschichte von Felix und Kilian gefallen hat. Ob auf riesigen LGBT-Online-Netzwerken oder auf Queer Literatur Blogs. Ob in renommierten Literaturhäusern oder beim Rennen um Literaturpreise. Felix und Kilian berühren die Menschen und um nichts anderes ging es mir beim Schreiben. Hier einige der Reaktionen: Auf der Shortlist für den DELIA-Literatpreis! Seit kurzem steht fest, dass mein Roman „Helden für immer“ mit im Rennen um die Auszeichnung „bester deutschsprachiger Liebesroman“ ist! Ich …

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Gesungene Politik oder: Warum ich Unterschiede mag

Die Wiener Stadthalle wirkt wie ein utopischer Kinosaal der Siebziger Jahre. Der rubinrote Farbton am Boden, an den Wänden und an den Kinosesseln erweckt ein Wohlgefühl zwischen dem Unterhaltungsfaktor des neuesten Box Office Hits und einer notenfreien Vorlesung in internationaler Politik. Ganz ohne intellektuelle Selbstbeweihräucherung bei den üblichen komplexbeladenen Ritualen in versteckten Elfenbeinturmkämmerchen selbsternannter Eliten. Die Bühne ist so schlicht, dass keinerlei Ablenkung eine Distanz zwischen Publikum und Band zu schaffen vermag. Der schwarze Vorhang sorgt dafür, dass das Hauptaugenmerk sofort auf die Mitte der Bühne gerichtet wird, wo die Instrumente eine verblüffende Lässigkeit ausstrahlen. Der Eindruck einer aufgeräumten Garage …

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Erinnerung als Sand oder: der Boden unter den Füßen

Die IG Autorinnen und Autoren Tirol feierte kürzlich ihr 30jähriges Bestehen. Mit der Publikation einer Anthologie und einer Lesung. Unter dem Titel „Über die Jahre“ haben 47 Tiroler AutorInnen sich in Geschichten und Gedichten erinnert. An ganz besondere Wendepunkte, Ereignisse, Menschen, Erfahrungen. „Sie beobachten und reflektieren, sie vermengen Realität und Fiktion. Sie berichten und verdichten“ heißt es auf dem Buchrücken. Vom wunderen Sujet „Erinnerungen“ motiviert, durfte auch ich zwei Texte dazu beitragen. Meine beiden Gedichte „Zeit im Sand III“ und „Zeit im Sand V“ sind Auszüge eines kleinen lyrischen Zyklus, der den wichtigsten Wendepunkt in meinem Leben zum Thema hat. …

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Kindheitserinnerungen oder: der unsichtbare Zauberer

Immer wieder kocht eine Erinnerung in mir hoch. Dann fällt mir eine Zeit in meinem Leben ein, in der ich ernsthaft glaubte, dass erwachsen zu sein auch wirklich erwachsen zu sein bedeutete. Wenn wir erwachsen sind, haben wir die Freiheit zu tun, was wir wollen. Wenn wir erwachsen sind, haben wir die Erfahrung, um es besser zu wissen. Wenn wir erwachsen sind, werden wir es richtig machen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich begriff, wie naiv ich war. Irgendwann hörte ich auf zu glauben, verlor meine Naivität und lernte zu wissen. Dass der Glaube an einen unsichtbaren allmächtigen Zauberer, …

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„Helden für immer“ und die Ehe für alle

Meine „Helden für immer“ lernen sich 1936 als junge Männer am Wiener Heldenplatz kennen und ich begleite sie in meinem Roman durch ihr ganzes gemeinsames Leben. Neben zahlreichen spannenden Wendepunkten in ihrer Geschichte vor dem Hintergrund der Veränderungen im 20. Jahrhundert stellt sich vor allem die Frage, ob sie noch zu ihren Lebenszeiten jene Freiheit erreichen werden, die wir heute unser Eigen nennen dürfen. Im Dezember 2017 verlautbarte der Österreichische Verfassungsgerichtshof, dass alle Paare – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung – eine zivilrechtliche Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft eingehen können. Ein ganzes Jahr hat die aktuelle rechtskonservative Regierung zusammen mit …

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