Kategorie: Politik

Der Blubberblasenblues oder: Wenn Literatur nicht länger Literatur sein darf

Ich habe die Inauguration von Joe Biden nur in Form einiger Schlagzeilen konsumiert. Ich bin zwar promovierter Amerikanist, aber der übliche amerikanische Pomp bei solchen Anlässen hat mich noch nie gereizt. Ich verspüre keine Lust dazu mich an Roben, Schmuck, Klatsch und schönen Frauen zu ergötzen. Weder an der Frisur von Michelle Obama, noch nicht einmal am stimmgewaltigen Auftritt Lady Gagas beim Singen der Nationalhymne. Nationalhymnen interessieren mich nämlich überhaupt nicht. Es ist mir auch vollkommen egal, ob Bernie Sanders Wollhandschuhe trägt oder nicht. Viel wichtiger ist mir eine Antwort auf die Frage, ob und wie Joe Biden und Kamala …

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Die Liebe zu Symbolen. Ein Entmystifizierungsversuch.

In diesen Tagen denke ich oft an die Stigmatisierungen zurück, die ich in meinem Leben schon erlebt habe. Ich erinnere mich an die Ängste, die ich als Teenager empfand, während ich es wagte, mich zu fragen, ob ich das Recht auf eine glückliche Zukunft habe. Ich schließe meine Augen und sehe mich wieder am Geländer einer Brücke stehen. Über einer Autobahn. Mit traurigem Blick in die Tiefe. Und ganz realer Todesangst in den Knochen. Weil ich aufgrund jahrzehntelanger Ignoranz meines Umfeldes, meiner Schule und der Medien der Meinung war, dass ich gar nicht existiere. Nicht existieren darf. Inzwischen sind 25 …

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Was ihr wollt oder: was ein Kanzler nicht wollte

2019 wurde in Österreich aufgrund des jahrzehntelangen Engagements der österreichischen LGBTIQ*-Bewegung die Ehe für Alle erkämpft. Allerdings gegen den Willen des gesegneten Bundeskanzlers und derzeitigen Koalitionspartners der Grünen in der neuen Regierung Österreichs. Wer nicht versteht bzw. nicht verstehen will, was für ein Kampf diesem Etappensieg voranging, weigert sich Freiheit verstehen zu wollen. „Jetzt habt ihr doch alles, was ihr wollt!“ Abgesehen von der Tatsache, dass diese Feststellung nicht der Wirklichkeit entspricht, fehlt ihr vor allem eines: Freude. Weil dieser Satz primär einen Vorwurf artikuliert. Und die Frage warum wir noch immer so laut sein müssen. Wo doch jetzt alles …

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Überholmanöver

Das VfGH Urteil vom 11. Dezember 2020 zur künftigen Entkriminalisierung des assistierten Suizids in Österreich ist ein großer Sieg der Würde. Der politische Katholizismus in diesem Land versucht sich in all seiner reaktionären Verbohrtheit wieder und wieder über die Würde der Menschen zu stellen und hat nun einmal mehr eine verfassungsrechtliche Zurechtweisung erhalten. Noch ist nicht klar, ob und wie das ideologische Kleinkind des politischen Katholizismus in Österreich diese Zurechtweisung hinnehmen wird. Klar wird aber einmal mehr, dass für mich die Tatsache meines Todes nur dann zum Tabu wird, wenn sich jemand an meinem Sterbebett aufplustert und mir arrogant kundtut: …

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Mein Abschied von Sozialen Medien oder: die Sehnsucht nach Stille

Die 2010er Jahre waren auch für mich geprägt von einem Glauben. Dem Glauben an die Bedeutung jener Vernetzung, die andere mir als einzig wahre Möglichkeit suggerierten. Auch ich habe Soziale Medien aus nur einem Grund konsumiert. Weil alle es gemacht haben. Ich habe sie privat wie auch beruflich genutzt. Ich habe von einem Account zum nächsten geglaubt nichts sei so wichtig als Teil von etwas zu sein, das mir auch nach zehn Jahren nicht sympathischer wurde. Der Anspruch war Menschen näher zusammenzubringen. Zumindest habe ich das in meiner Einfalt so in Erinnerung. Wer glaubt, dass Soziale Medien diesen Anspruch erfüllen, …

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Schritte im Schnee

Es gibt Momente, da höre und spüre ich in Gedanken noch heute das Knirschen meiner Schuhe auf dem Streusand im Schneematsch, als ich den winterlichen Dorfweg Richtung Haus gehe. Ich komme von einem Spaziergang. Plötzlich sehe ich den Rettungswagen vor dem Haus. Ich beginne zu laufen. Die panische Erkenntnis, dass etwas nicht stimmt und man noch nicht weiß, was genau passiert war, wird erneut zur Begegnung mit einem Gespenst. In meinem Denken bläht sich die Frage auf: Was würde mir dieser Moment gleich antun? Die Frage platzt mit der Information meiner Tante, die mir vor dem Haus aufgewühlt entgegenspringt und …

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Freiheit fällt nicht vom Himmel

Ich wurde von der Tiroler Tagezeitung um einen Kommentar zur Causa Alice Schwarzer an der Kunstuni Wien gebeten. Ich habe einen „Brief an Tirol“ verfasst, in dem ich der Frage nachgehe, ob wir die Gesellschaft tatsächlich verbessern, wenn wir uns dauerhaft in „Safe Spaces“ verstecken. Erschienen am Sonntag, 5. Jänner 2020.  

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Kunst und Politik im Garten

in Erinnerung an Erich Fried (6. Mai 1921 bis 22. November 1988)    Die Beziehung zwischen Kunst und Politik erscheint wie eine zwischenmenschliche Beziehung: sie zeigt sich in zahllosen Dimensionen. Es gibt jene, die die Kunst zu vereinnahmen versuchen, um ihre – meist menschenunwürdige – Politik zu betreiben. Dabei gehen Kunst und Politik eine Beziehung ein wie ein braver katholischer inzestuöser Familienvater mit seiner eignen Tochter, die von ihm zur Geburt von sieben künftigen Pensionszahlern gezwungen wird. Viele missbrauchte Dichter kommen bis zum heutigen Tag zu dem Schluss – wer schweigt, überlebt. Es gibt aber auch jene, die die Politik …

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