Der Wellenreiter oder: Sehnsucht macht weiter

Der Wellenreiter oder: Sehnsucht macht weiter

Auch die Literatur findet immer öfter zur Erkenntnis, dass das ewigste aller Sujets genauso bunt sein darf wie das Leben selbst. Daniel Sebastian Lange ist ein Erzähler, der sein literarisches Alter Ego auf die Suche nach Liebe schickt und vor diesem Hintergrund entfaltet sich eine schwule Coming-of-Age Geschichte, die einen verblüffend universellen Tonfall findet. In dieser Geschichte können sich Männer und Frauen, egal welcher Orientierung, gleichermaßen wiederfinden.

Daniel Sebastian erlebt den emotionalen und sexuellen Wellengang des Chaos, wie wir ihn letztlich alle gut kennen. Wer Liebe als Markt definiert, macht Liebe zu einem Wegwerfprodukt. Er reflektiert in einer Art Tagebuch über seine Erlebnisse und lässt sich von seinen Verwundungen, die uns ebenfalls allen ein Begriff sein dürften, sein Vertrauen auf die Liebe nicht nehmen. Seine Sprache wirkt unverkrampft und nachvollziehbar, vor allem aber entwickelt er durch seine Fröhlichkeit eine Resilienz, die sich überaus mitreißend lesen lässt.

Bei seinen Reflexionen entsteht ein narrativer Sog, der von einer bemerkenswerten Authentizität getragen wird. Hier wird dem Schmerz ins Gesicht geschaut und gleichzeitig begreift der sympathische Protagonist, dass der Schmerz zu jedem Leben gehört und dass deshalb die Sehnsucht nicht per se in Frage gestellt werden muss. Dadurch erzählt er eine Geschichte, die tröstlich wirkt. Besonders das passionierte Ende einer ganz besonderen Theaterperformance lässt nur einen Schluss zu: Hier erzählt ein talentierter Autor, von dem man gerne mehr lesen möchte.

Hinter dir steht eine Blumenvase

Tredition, 2019

Weitere Informationen hier.

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