Die Liebe eines Kindes und die Politik des Hasses

Die Liebe eines Kindes und die Politik des Hasses

„Was ist das, eine Familie? Ein Mann, der seine Frau schlägt, der sein Kind quält? Nein, ehrlich, das soll ein bewundernswertes Modell sein?“

 

Die dreizehnjährige Gabrielle liebt ihre Eltern über alles. Diese sind seit fünfzehn Jahren miteinander verheiratet und haben Gabrielle adoptiert. Ihre Alltagsreflexionen erzählt Gabrielle in der Sprache eines freudestrahlenden Kindes, das in seiner Familie Geborgenheit erfahren darf. Durch ein neues Gesetz wird die glückliche Familie stigmatisiert, systematisch verfolgt und in ein Ghetto gezwungen. Gabrielles Eltern dürfen keinen Beruf mehr ausüben und das Ghetto nicht verlassen. Als sie ihrer geliebten Tochter ein Geburtstagsgeschenk machen wollen, riskieren die beiden alles.

Was wie eine Geschichte aus der Nazi-Zeit anmutet, ist vielmehr eine Jugendbuch-Dystopie, deren sozialer und politischer Realismus einem beim Lesen durch Mark und Bein fährt. Gabrielles Eltern sind nämlich zwei Väter. Dem Autor gelingt eine selten glaubwürdige Verschmelzung narrativer Zeitebenen. Er entwirft ein Szenario, das zu den feuchten Träumen vieler rechtskonservativer Familienbekämpfer gehören dürfte. Hart erkämpfte Freiheiten, die ganz plötzlich wieder verloren gehen. Dadurch wird die Zukunft der Handlung in der Gegenwart des Lesens zu einem allzu schmerzhaften Ausflug in die Vergangenheit.

Auf diese Weise lernt das jugendliche Zielpublikum (und die nicht minder wichtigen erwachsenen Leserinnen und Leser) äußerst authentisch, wie und warum Faschismus funktioniert. Eine Lektion, die auch unabhängig vom immer noch andauernden Kampf glücklicher Familien um ihr Existenzrecht und ihre Gleichberechtigung funktioniert. Wer sich gegen die rechtliche Gleichstellung queerer Familien stellt, wird bei der Lektüre dieser unglaublich spannend geschriebenen Geschichte enttarnt. Ohne Zeigefinger. Ohne pseudo-intellektueller Schein-Finesse. Ohne politische Ideologie. Nur durch eine Geschichte. Eine Geschichte, die unsere Gegenwart ganz dringend nötig hat. Literatur für Hirn und Herz! Für jede öffentliche Bibliothek! Für möglichst viele Schullektüre-Projekte! Für alle!

 

Väterland

 

Mixtvision, 2017

 

978-3-95854-095-8

 

Weitere Informationen hier.

 

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