Die queere Macht der Solidarität

Die queere Macht der Solidarität

Nachdem sowohl in Deutschland Gleichstellung und somit auch rechtlicher Respekt erkämpft wurde als auch in Österreich die rechtskonservative Regierung in ihrem verzweifelten Versuch gescheitert ist, eine VGH Entscheidung zu unterminieren und nun auch Schwule und Lesben in der Alpenrepublik künftig eine zivilrechtliche Ehe eingehen dürfen, stellt sich einmal mehr die Frage, um welchen Kampf es sich handelt, wenn von Queer Wars die Rede ist. Angesichts der wenigen Jahrzehnte, in denen schwule, lesbische und transgender Menschen weltweit dazu in der Lage waren, um ihre Sozialisation und demgemäß um ihr Leben zu kämpfen, ist es bemerkenswert, mit welchen Erfolgen sich diese globale Bewegung inzwischen schmücken kann.

Doch Schmuck ist nicht genug. Denn allzu oft wird (auch politisch motiviert) vergessen, dass Homosexualität noch heute in 78 Ländern gesetzlich verboten ist und in acht Ländern sogar die Todesstrafe auf Homosexualität verhängt wird. Der religiöse Wahn letzten Endes aller Religionen in ihrer Heuchelei und in ihrem durch Machtlust getriebenem Sadismus versucht in galliger Regelmäßigkeit auf leisen und dreckigen Sohlen durch die Hintertür ständig möglicher Wiederauferstehung längst überwunden geglaubte Homophobie wieder salonfähig zu machen. Zumeist auf dem Rücken jener politischer Parteien, die schlussendlich von den Werten der Aufklärung nichts wissen wollen oder ihren genussvoll zelebrierten Rassismus instrumentalisieren (lassen), um Erfolge der LGBTI*Q-Bewegung schnellstmöglich rückgängig zu machen.

Den Autoren der vorliegenden Geschichte über „Erfolge und Bedrohungen einer globalen Bewegung“ ist es auf mitreißende Weise gelungen, diesem Kampf um menschenwürdige Sozialisation kurz und knackig mit akademischer Eloquenz Ausdruck zu verleihen. Sie werfen einen holistischen Blick auf die Errungenschaften der Befreiungsbewegung sexueller Identitäten. Als globalisierte Analyse eines Kampfes, dessen Ziel weit über die Frage hinaus geht, wer mit wem Sex hat. Freiheit als Grundelement einer modernen Gesellschaft wird nämlich von konservativen Gruppierungen auch heute immer wieder in Frage gestellt. Was dieses Buch auszeichnet, ist das elegante Knüpfen analytischer Fäden eines weltweiten Netzes von Aktivitäten und Entwicklungen, ohne in den Tonfall sich selbst abschottender Wissenschaftseliten zu verfallen.

In universitären Elfenbeinturmkämmerchen wurde noch niemand befreit. Wer für die Freiheit ist, muss auch etwas dafür tun. Nicht nur darüber reden. Dadurch verleihen die Autoren dem Kampf um die Freiheit sexueller Identität ein glaubwürdiges Gefühl der Macht. Einer globalen Macht. Einer Macht, um welche die LGBTI*Q-Bewegung oftmals beneidet wird. Einer Macht, der sich keinerlei kulturelle oder politische Prägung auf Dauer zu entziehen vermag. Einer Macht, die auf Solidarität fußt. Einer Macht, die ständig in Gefahr ist. Deshalb gilt auch eine unbedingte Empfehlung für dieses ultimative Sachbuch über die Quintessenz einer solidarischen Gesellschaft, die mit weit mehr als nur Sex zu tun hat.

 

Queer Wars

 

ISBN 978-3-8031-3670-1

 

Nähere Informationen hier.

 

 

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