Die unerklärliche Logik des Lebens

Die unerklärliche Logik des Lebens

Ich mochte unsere Familie. Aber vielleicht steckt hinter dem Wort Familie ja überhaupt keine Logik. Um ganz ehrlich zu sein, Familie ist nicht immer so ein gutes Wort. (S. 50)

 

Das letzte Schuljahr ist beliebtes Sujet für Coming-of-age-Romane jeder Couleur. Für Geschichten, in denen oftmals einerseits manipulativ jugendliche Angst aufgebaut werden soll, was die ungewisse Zukunft betrifft, oder in denen naive Illusionen zu rosaroten Fantasy-Wattewolken der werden, in denen junge Menschen vor der Wirklichkeit versteckt werden sollen. „Die unerklärliche Logik meines Lebens“ (Thienemann, 2017) umschifft beide Klippen mit verblüffender narrativer Eleganz. Sal ist der Held dieser Geschichte und taumelt durch die Wirrnisse während seines letzten Schuljahres. Vor allem seine beste Freundin Sam hilft ihm dabei, nicht zu stolpern. Während auch er immer für sie da ist. Die Suche nach der eigenen Identität ist der rote Faden der Verwicklungen, die Einfluss auf Sal nehmen wollen. Sein schwuler Vater hatte ihn einst adoptiert. Seine geliebte Großmutter erkrankt erneut an Krebs. Leid und Tod. Freundschaft und Liebe. Und über allem die Frage: wer oder was ist meine Familie?

Nach seinem Erfolg mit dem wunderbaren Roman „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ (Thienemann, 2014) hat es drei Jahre gedauert, bis Benjamin Alire Sáenz wieder im Jugendbuchbereich reüssierte. „Die unerklärliche Logik meines Lebens“ (Thienemann, 2017) beweist einmal mehr die meisterhafte Könnerschaft des Autors in diesem oft hämisch behandelten Genre. Jugendbücher sind noch immer allzu oft behaftet von dem Vorurteil, dass es „egal“ wäre, was Jugendliche lesen. Frei nach dem Motto: „Hauptsache die Jugend liest irgendwas!“ Benjamin Alire Sáenz führt eine derartige Respektlosigkeit der Jugend gegenüber wortreich auf literarischer Ebene ad absurdum. Denn auch im neuen Jugendroman des Autors fällt vor allem auf, mit welch großem Respekt er seine jugendlichen Protagonisten durch das Auf- und Ab ihrer Identitätsfindungskämpfe führt. Und eben diesen Respekt spürt sein Zielpublikum. Wovon auch zahlreiche Erwachsene viel lernen könnten.

 

Die unerklärliche Logik des Lebens

 

Die unerklärliche Logik meines Lebens

Thienemann, 2017

 

Weitere Informationen hier.

 

 

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2 thoughts on “Die unerklärliche Logik des Lebens

  1. Ich war von „Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums“ letztendlich dann doch enttäuscht, da die Enwicklung der beiden, vor allem am Ende des Buches, höflich gesagt, ‚romantisch verklärt‘ war. Da ist er mit seinen beiden Protagonisten etwas arg schnell und einfach über eine große Schwelle gehüpft.
    Hoffe, dass das diesmal nicht so ist.

    P.S. Das Zitat ist klasse.

    • Ich hab „Aristoteles und Dante“ wohl letztlich auch durch die Augen meines pubertären Ichs gelesen. Und vielleicht auch deshalb so geliebt. Denn wenn ich ein solches Buch damals gelesen hätte, wäre wohl einiges in meinem Leben leichter gelaufen. Aber 25 Jahre später verklärt man wohl wirklich einiges :-)!

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