Felix und Kilian auf der Frankfurter Buchmesse

Markus Jäger mit Verleger Jim Baker auf der Frankfurter Buchmesse / Foto: Marc Lippuner, Querverlag

Felix und Kilian auf der Frankfurter Buchmesse

Ich erlebte meinen ersten Besuch der Frankfurter Buchmesse geprägt von einer seltsamen Erinnerung. Ich ließ mich von den Menschenmassen durch die Gänge tragen und versuchte auf diese Weise und Wellen so zu surfen, dass ich den Stand meines Verlages möglichst bald fand. Der Querverlag empfing mich mit der üblichen literarischen Begeisterung und Fröhlichkeit und ich ließ mir von ihren Eindrücken der letzten Tage berichten und mir erzählen, worin die Signifikanz dieses spektakulären Netzwerkens im Namen der Literatur liegt.

Ich trug mein Buch und meine Unterlagen in der neuen Stofftasche unserer neuen Stadtbibliothek, die ich mehrmals ungläubig betrachtete. Es war und ist für mich noch immer kaum zu fassen. Ich habe eine große schwule Liebesgeschichte veröffentlicht. Ein Buch, das ich auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren werde. Innsbruck wird eine neue große Stadtbibliothek erhalten. Und vor zwei Tagen ist die unerträgliche aktuelle österreichische Regierung in ihrem bösartigen Versuch gescheitert, eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs zu unterminieren, weshalb nun alle Paare in Österreich eine zivilrechtliche Ehe oder eine eingetragene Partnerschaft eingehen dürfen.

Meine Erinnerung lässt immer wieder klare Bilder von vor 20 Jahren in mir hochflackern. Als ich mich von schweren Depressionen geplagt durch mein Coming Out kämpfte. Damals, als ich neben dem Studium in der alten Stadtbücherei als Ferialpraktikant mitarbeiten durfte. Alt waren die knarrenden Parkettböden, alt waren die Risse an den Wänden, alt waren die Regale. Dennoch liebte ich diese Arbeit. Denn auch wenn wir damals nur eine bessere Altbauwohnung waren, durfte ich die Magie einer Öffentlichen Bibliothek erleben. Wie durch einen Zufall, der in einer Bibliothek nie wirklich nur Zufall ist, fiel mir ein Buch in die Hände, das mein Leben prägen sollte. Ich lieh mir die Autobiografie der Aktivistin und Sängerin Joan Baez aus. Ein Buch, in dem ich zum ersten Mal schwarz auf weiß lesen durfte, dass ich auch als schwuler Mann das Recht auf ein selbstbewusstes und stolzes Leben habe.

Und nun sitze ich in einem Hotelzimmer und halte meine Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse fest. Im Zuge derer ich auch bei der Lesbisch-Schwulen Lesenacht meinen Roman „Helden für immer“ präsentieren durfte, meine Bücher für begeisterte Zuhörer signierte und von literaturleidenschaftlichen Kämpferinnen und Kämpfern der LGBT Bewegung davon überzeugt wurde, dass ich „die Magie dieses Buches sehr gut zu vermitteln vermochte“. Ich erinnere mich an die zahllosen oftmals anstrengenden Tage, als ich um fünf Uhr in der Früh aufstand, um vor meinem Dienst in der Bibliothek, wo ich nun schon seit 11 Jahren hauptberuflich arbeiten darf, Zeit zum Schreiben meines Buches zu finden und weiß stolz und selbstbewusst, dass auch mein erster Besuch auf der Frankfurter Buchmesse nicht einfach nur ein Zufall ist.

© Markus Jäger, 2018

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