Mein banger Traum und die Zensur

Mein banger Traum und die Zensur

In der Mitte meines Lebens stolpere ich immer wieder über das gestellte Bein der Nostalgie. Ein Thema, das mich bislang nicht sonderlich interessiert hat. Aber auch im Zusammenhang mit meiner Literatur fällt mir immer öfter auf wie schnell die Zeit vergeht. 2007 erschien etwa mein erster Roman „Der bange Traum“. Unter meinem zeitweiligen Pseudonym Simon M. Jonas. Es hat mir Spaß gemacht eine neue „Identität“ anzunehmen. Aber ich wollte auch ein wenig meine Eltern vor allfälliger Kritik an mir und meinem Roman schützen. Ich konnte es eigentlich kaum glauben, dass das Buch tatsächlich publiziert wurde. Alle, die davon träumen ihr erstes Buch zu veröffentlichen, werden wissen, warum dies ein überaus aufregender Schritt für mich war. Ich absolvierte einige sehr schöne Lesungen, unter anderem im Zuge einer Gruppenwanderung durch die Wälder des Handlungsortes und denke immer gern an meinen bangen Traum zurück. Ich erzähle darin eine Familiensaga, die im Tiroler Stubaital spielt und – wie es sich für einen Debütroman gehört – natürlich Anleihen an meiner eigenen Herkunft nimmt. Das Träumen ist überhaupt ein Thema, das ich nicht nur literarisch gern beackere. Die literarische Qualität dieses ersten belletristischen Werkes betrachte ich heute naturgemäß etwas anders. Aber ich freue mich noch immer, dass ich es damals geschafft habe mein erstes literarisches Buch zu veröffentlichen.

Nach meinem Studium hat mich eine Phase der Arbeitslosigkeit ein wenig bekümmert. Ich habe die Zeit genutzt, mein Doktorat begonnen (das ich wenig später auch erfolgreich beendete) und meinen ersten Roman fertiggeschrieben. Als das Buch rauskam, fand ich dann endlich auch eine Arbeit. In einer Buchhandlung. So wie alle Jobs im Handel unfassbar unterbezahlt und dennoch war ich froh darüber. Ich begann als Verkäufer von Kinderbüchern in einer sehr katholisch durchwachsenen Buchhandlung. Es wurde augenscheinlich sehr dringend jemand für diese Stelle gesucht, denn entgegen meinen Erwartungen wurde ich trotz meines Austritts aus der Katholischen Kirche eingestellt. Mein Netzwerk als Literaturvermittler begann sich zu entfalten und meine Leidenschaft für Bücher ließ mich die chronische Unterbezahlung zähneknirschend akzeptieren. Bald wurde ich gefragt, ob ich denn nicht in einer anderen Filiale der Buchhandlung aus meinem frisch publizierten Roman lesen wollte. Eine Einladung, die ich gern annahm. Wenige Tage vor der Lesung erhielt ich einen Anruf der zuständigen Filialleiterinnen. Sie müsse die Lesung absagen, denn so viel Kritik an der Katholischen Kirche dürfe sie ihrem Publikum nicht antun. Ich gebe es zu. Noch heute grinse ich stolz darüber, dass meine Autorenkarriere damit begann die Heilige Katholische Kirche vor den Kopf gestoßen zu haben. Ich arbeite mittlerweile auch nicht mehr in dieser Buchhandlung. Inzwischen darf ich als Bibliothekar Bücher vermitteln und als Rezensent mit meinen Buchbesprechungen Kolleginnen und Kollegen im ganzen deutschsprachigen Raum beraten. Ich war blockiert worden. Und bin über mich hinausgewachsen. Eigentlich ein Traum.

Share This Post

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published. Email and Name is required.